So, Let's Have a Baby

Wir sind lesbisch und wollen eine Familie gründen.

Tag: Rezension

Auf der Suche nach Liebe: Warum glücklich statt einfach nur normal?

Ein kleines Mädchen in einem blau-pink-gemusterten Badeanzug steht mit einem vor den Bauch gepressten Wasserball ganz allein am Strand. Es lächelt unsicher in die Kamera. Dieses schüchtern dreinblickende Covergirl ist die Autorin des autobiographischen Romans Warum glücklich statt einfach nur normal?. Ein sehr intimes Buch über Familie, Liebe und die eigene Identität.

Der Roman erzählt die Lebensgeschichte einer Frau, deren Lebensinhalt von klein auf das Kämpfen war. Ich frage mich: Hat die Autorin wirklich alles selbst erlebt? Was ist Fiktion? Was ist Wahrheit? Macht es überhaupt einen Unterschied? Jeanette Winterson schreibt detailliert über ihre Kindheit, ihre Jugend, ihre Zweifel, ihren “verlorenen Verlust”. Geboren wurde die offen lesbisch lebende Schriftstellerin 1954 in Manchester. In Großbritannien ist sie recht bekannt. Ihr Romandebüt Oranges Are Not the Only Fruit wurde von der BBC verfilmt, zahlreiche Preise hat sie als Autorin erhalten.

Allzeit Endzeitstimmung im Hause Winterson

Im Roman erzählt sie, dass sie als Säugling adoptiert wurde. Ein lebenslanger Kampf mit ihrer Mutter beginnt. Die Tochter sehnt sich nach Liebe und Anerkennung und erntet das Gegenteil. Die Mutter, Mrs W, oft unzufrieden, zuweilen geheimnisvoll und in allzeit in Endzeitstimmung wartet auf die Apokalypse. Die Kirche ist ein fester Bestadteil im Leben der kleinen Arbeiterfamile. Mutter Hausfrau, Vater Fabrikarbeiter, Geschwister hat Jeanette nicht.

Die Mutter dekoriert das kleine Haus in der Water Street 200 mit Sinnsprüchen und liest jeden Abend eine halbe Stunde lang aus der Bibel vor. Mrs W ist streng mit sich und mit ihrer Familie. Dem Sex mit ihrem Mann verweigert sie sich, die Tochter hat sowieso ein Sex-Verbot. Bücher hält Mrs W für gefährliches Teufelszeug. Man erfahre immer erst was man bekomme, wenn man sie liest und dann sei es schon zu spät und der Geist verdorben. Die Bibel ist eines von sechs Büchern im Haus, das nicht verboten ist. Jeanette sammelt trotzdem heimlich Bücher und liest sich in der Stadtbücherei durch die Englische Literatur von A-Z. Gedichte lernt sie auswendig, um in jeder Situation einen Text parat zu haben.

Homosexualität ist eine Sünde

Mit 15 merkt Jeanette, dass sie auf Frauen steht. Ihre Mutter verurteilt das aufs Schärfste. Nachdem die Mutter sie und ihre Freundin Helen gemeinsam im Bett erwischt hat, gibt es mehr als Ärger.

“Niemand konnte glauben, dass jemand von solcher Frömmigkeit wie ich Sex hätte haben können. Und dazu noch mit einer Frau – es sei denn, ein Dämon war im Spiel.”

Der Dämon muss ausgetrieben werden, doch die Ich-Erzählerin bleibt standhaft. Setzt sich Masken auf. Schützt ihr Inneres Ich und flieht in die Literatur. Der Teufel soll ausgetrieben werden, aber die Erzählerin lässt sich nicht einschüchtern. Sie glaubt nicht an Dämonen, sondern an die Liebe zu Helen.

“Nach der Teufelsaustreibung verfiel ich in eine Art dumpfen Leidenszustand. Ich nahm mein Zelt und übernachtete neben dem Kleingarten. Ich wollte nicht in ihrer Nähe sein. Mein Vater war unglücklich. Meine Mutter war durcheinander. Wir waren Flüchtlinge in unserem eigenen Leben.”

Lesbisch zu sein ist im Winterson’schen Haushalt eine Sünde. Die Liebe ihrer Tochter zu einer Frau will Mrs W nicht akzeptieren.

“Sie sagte: ‘Warum glücklich statt einfach nur normal?’”

Mit 16 hält es Jeanette nicht mehr Zuhause aus. Sie zieht aus und studiert in Oxford Anglistik. Sie gilt dort als “Arbeiterklassenexperiment”. Sie wird als Schriftstellerin berühmt. Und sie wird verrückt. Sie fängt sich wieder und geht auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter.

Bedrückend ehrlich

Jeanette Winterson schreibt pointiert, bedrückend ehrlich und mit Stil. Jeder einzelne Satz ist treffend formuliert. Sie beschreibt sich, als eine Tochter, die an ihrem Schicksal nicht zerbrochen ist – wenn sie auch kurz davor stand, sich das Leben zu nehmen. Sie gibt sich kämpferisch und lebensbejahend trotz derber Rück- und Tiefschläge. Ich frage mich: Woher kann ein Mensch diese Kraft nehmen? Wintersons Antwort ist die Flucht in Literatur. Dass sie die englische Literatur in- und auswendig kennt, spiegelt sich im gesamten Roman wider. Immer wieder zitiert sie die Texte, die sie prägten und sie am Leben hielten. Das Buch ist keine Abrechnung mit dem eigenen Leben oder den (Adoptiv-)Eltern, sondern eine eindringliche Erzählung, die einerseits keine Details ausspart, aber sich andererseits auch die Freiheit nimmt, Leerstellen zuzulassen.

Der Roman liest sich, wie ein authentisches Buch einer Frau, die einen starken Willen und großen Ergeiz hat. Einer Frau, die sich nicht entmutigen oder unterkriegen lässt, aber trotzdem irgendwann unter der Last zusammenbricht. Einer Frau, die nicht genug lieben kann und nicht mehr leben will, sich aber dann doch wieder aufrafft – unterstützt von Menschen, die sie lieben. Im Grunde ist Warum glücklich statt einfach nur normal? ein Buch an die Liebe. Es handelt davon, das Lieben zu lernen, die Liebe zuzulassen und geliebt zu werden.

Literatur

Jeanette Winterson: Warum glücklich statt einfach nur normal?
Übersetzt von Monika Schmalz
Hanser Berlin 2013
ISBN: 978-3-446-24149-7

Literatur für die Lesbe von heute

Es ist lange her, dass ich einen Roman mit einer Lesbe als Hauptfigur gelesen habe. Deshalb habe ich mir vorgenommen, mal einzusteigen in die zeitgenössische lesbische Lesewelt. Vor einigen Monaten ist Tania Wittes zweiter Roman erschienen. “leben nebenbei” heißt das gute Stück und es handelt von einem queeren Freundeskreis in Berlin. Außerdem kommen Babys, ein Hund, eine Schildköte und Sex drin vor.

Literatur mit lesbischen Inhalten habe ich bisher kaum gelesen, weil sie nicht populär ist und ich nie den Drang verspürte mit damit auseinanderzusetzen. Ich erinnere mich dunkel an den Roman “Flug ins Apricot” von Mirjam Müntefering, den ich vor elf Jahren, frisch verliebt, im Jugendzimmer meiner Freundin, verschlungen habe. Lesbisches Leben kannte ich damals kaum. Eine Frau zu küssen, war ein so wunderschönes und zugleich unwirkliches Gefühl. Immer wieder schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Du küsst gerade eine Frau. Eine Frau! Eine Frau!!! Das Gefühl beim Küssen hat sich inzwischen geändert. Ich denke nicht mehr darüber nach, dass meine Freundin eine Frau ist, weil es für mich zur Normalität geworden ist. Damals war das noch nicht so. Daher halfen mir dieses Buch, The L Word und Anne Will.

Familie mal anders

An dem aktuellen Roman von Tania Witte, einer Spoken-Word-Performerin, die auch fürs Missy Magazin schreibt, interessierte mich aus aktuellem Anlass vor allem die Geschichte um das junge Regenbogenfamilienglück. Ich kannte nur den Klappentext und eine Kurzrezension aus einer Lesbenzeitschrift und war neugierig auf die Berliner Regenbogenfamilien – es tauchen nämlich derer zwei auf. Wie kommen die Menschen zu den Kindern? Wie lebt es sich mit den Kindern? Was wünschen sie sich vom Leben? Was wünschen sie den Kindern? Warum wollen sie Kinder? Welche Probleme stellen sich ihnen in den Weg? Was nervt? Was läuft unerwartet rund? All das wird, wenn überhaupt, nur am Rande behandelt. Das macht das Buch aber nicht schlecht. Tania Witte lässt den Leser/die Leserin teilhaben an dem sehr ungewöhnlichen Familienleben ohne das Thema Regenbogenfamilie in den Mittelpunkt zu stellen. Das ist legitim.

Bachelorette meets Germany’s next Topmodel

Trotzdem hatte ich meine Schwierigkeiten mit dem Roman, der nicht in Kapitel unterteilt ist und vor allem aus Dialogen besteht. Dazu muss man wissen: “leben nebenbei” ist die Fortsetzung des Romans “beziehungsweise liebe”. Vielleicht hätte ich das erste Buch lesen müssen, um das zweite gut zu finden. Vielleicht werden die Figuren im ersten Buch beschrieben. Vielleicht hätte ich mich mit den Charakteren angefreundet. Mit der koksenden Karrieretante, mit dem umwerfenden Model, das viele begehren, mit der nachdenklichen Spieleentwicklerin, mit der uralten Schildkröte Fräulein Rottenmeier oder dem Pärchen Sandyunmanu, das von den Freundinnen nur als Einheit wahrgenommen wird oder mit der Putzfrau der koksenden Karrieretante, die sich an den Lesbengeschichten ihrer Auftraggeberin ergötzt. Es ist alles so klischeehaft. Die gesamte Story wirkt konstruiert und banal. Daher habe ich auch eine ganze Weile für die 327 Seiten gebraucht, denn das Buch hat mich nicht so sehr gefesselt. Emotional berührt hat es mich kaum.

Kein Kopfkino

Allein eine lesbische Story zu erzählen, überzeugt mich einfach nicht. Das ist bei Filmen und Serien anders. Die ziehe ich mir auch rein, wenn sie flach und schlecht sind und von Charakteren bevölkert werden, die mich nerven, wie Jen in The L Word oder die saufenden Dramagirls in The Real L Word oder Marlene und Rebecca in der Verbotenen Liebe, zwischen denen es trotz heftigster Bemühungen (die ich ihnen unterstellen möchte) so gar nicht funken mag. Wie auch immer. Wenn Bilder dabei sind, kann ich über die Schwächen der Erzählung hinwegsehen. Bei Texten ist das eine andere Sache. Da müssen Bilder im Kopf entstehen. Das passierte nicht, obwohl ich es mir so gewünscht hätte. Eine Geschichte mit lesbischen Hauptfiguren ist grundsätzlich erstmal eine schöne Sache. Aber einen queeren Freundeskreis in Berlin notdürftig zu beschreiben und den Frauen (und Männern) langweilige, unechte Dialoge in den Mund zu legen, reicht nicht aus, um mich zu begeistern. Da hilft es auch nicht, wenn Sex auf dem Küchenfußboden stattfindet und eine Bondage-Sex-Szene in die Storyline eingebaut wird, um die Vielfalt lesbischer Liebe auszudrücken.

Witz komm raus! – Geht nicht, Witz ist eingeklemmt!

Tania Witte sagt in ihrer Buchvorstellung, der Roman macht “irrsinnig Spaß”. Das mag sein, aber dann haben wir einen recht unterschiedlichen Humor. Stellen, die vermutlich lustig sein sollen – eine Seherin in Johannesburg, die mit Taucherbrille Zwiebeln schneidet und weise Sprüche orakelt – haben mir kein Schmunzeln entlockt. Lachen musste ich aber trotzdem einmal. Ein grandioser Einfall der Autorin (und das ist durchaus ernst gemeinst) ist der grandiose Name des Babys, das die bisexuelle Marte zur Welt bringt: Malachi Shane. So lustig der Name, so dramatisch der Fortsetzung der Geschichte, die ich hier nicht verrate, damit es spannend bleibt.

Fazit

Wenn ich schon mal zum Roman greife, dann erwarte ich Ausdruck, Stil, durchdachte Sätze, die passenden Worte an der richtigen Stelle. Ich bin da sehr penibel und sprachverliebt. Ich habe versucht das Buch gut zu finden. Es hat leider nicht funktioniert.

Literatur

Tania Witte: leben nebenbei
Querverlag 2012
ISBN: 978-3-89656-202-9

Pflichtlektüre: Wie wir begehren

“Wie wir begehren” von Carolin Emcke wird als Sachbuch verkauft und schildert ihre persönliche Coming-of-Age-Geschichte. Ihre Jugend in den achtizger Jahren in Westdeutschland und ihre Lust auf Frauen, die sie erst Jahre nach ihrem Abitur als solche erkannt hat. Immer wieder stellt sie Bezüge her zur politischen Instrumentalisierung sexueller Identität.

“Wie wir begehren” ist ein Aufklärungsbuch ohne über sexuelle Praktiken aufzuklären. Es beschreibt vielmehr, wie man sich als homosexueller Mensch fühlt und es gibt praktische Antworten für den Alltag. Etwa für Gespräche mit Freunden oder Fremden, die mich fragen, ob ich den richtigen Mann einfach nicht gefunden hätte und deswegen lesbisch sei. Ich habe lange kein Buch mehr in wenigen Tagen regelrecht verschlungen.

Die Autorin, eine Journalistin, die schon mit wichtigen Preisen ausgezeichnet wurde und auch für ”Wie wir begehren” für den Leipziger Buchpreis nominiert war, hütet sich davor darüber zu urteilen, ob Homosexualität nun angeboren oder selbstbestimmt sei. In dieser Frage sitzen Homosexuelle – wie so oft – zwischen den Stühlen. Einerseits schützt eine genetisch bedingte Homosexualität vor dem Vorwurf, dass man sich aus einer Laune heraus zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlt. Andererseits will man – und das ist vermutlich bei vielen Frauen noch ein bißchen ausgeprägter, weil es nicht selbstverständlich ist – ein selbstbestimmtes Leben führen und in dem Glauben bleiben, sich seine Sexualität selbst ausgesucht und sich ganz bewußt dazu entschieden zu haben. Letztlich sei es aber völlig egal, warum man nun homosexuell sei, man sei es einfach. Genauso wie man einfach heterosexuell sei.

Wer bin ich?

Emcke lässt sich darauf ein, Heterosexuellen eine Unsicherheit über die eigene sexuelle Identität zuzuschreiben. Wieso sonst hätten sie Angst vor Homosexuellen und wollen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in die Schranken weisen? Das klingt so einfach und logisch, dass ich mich wundere, dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist.

Die Autorin schreibt sehr klug, sehr persönlich und sie bringt viele Dinge treffend auf den Punkt. Das alles in einer wunderbaren Sprache, stets selbstbewußt und ohne je in die Opferrolle, der ausgestoßenen Lesbe zu fallen, die sie nicht ist, weil sie das Glück hat, in einer Gesellschaft zu leben, in der sie offen lesbisch leben kann – anders als in vielen anderen Ländern, die sie als Auslandskorrespondentin bereist.

Als Internetjunkie musste ich während der Lektüre oft an Google+ denken, denn es geht im Text durchgängig um Kreise. Kreise, die einschließen oder ausschließen. Zum Beispiel in der Schule oder auf Hochzeiten.

Alle Menschen sind gleich

Auf einer Hochzeit wurde sie an den “Tuntentisch” gesetzt. Das Hochzeitspaar hatte sich überlegt alle schwulen und lesbischen Gäste an einem Tisch zu platzieren. Sie hatten die Gäste nach ihrer sexuellen Ausrichtung aufgeteilt. Warum? Weil sich Schwule und Lesben auf Anhieb verstehen, weil sie homosexuell sind? Auch ich habe das schon vor Jahren erlebt als es um eine Party ging. “Die xy kommt auch. Ihr versteht euch bestimmt. Sie ist auch lesbisch.” Klar. Man versteht sich bestimmt. Alle, ja wirklich ALLE Heterosexuellen verstehen sich ja auch bestimmt, weil sie heterosexuell sind.

Dies sind Dinge über die Heterosexuelle nicht nachdenken. Warum auch? Diese Ausgrenzung betrifft sie ja nicht. Deshalb ist dieses Buch so wichtig. Denn es entlarvt die diskriminierenden Züge der toleranten heterosexuellen Mehrheit. Ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen dieses Buch lesen und, dass es vor allem die Menschen tun, die zur Mehrheit gehören, damit sie ihr eigenes Handeln und ihre Denkweise hinterfragen können. Vielleicht haben sie Antworten auf die vielen Fragen, die Emcke stellt.

“Warum gibt es in einem Land, das sich dauernd auf die Tradition der Aufklärung und der Säkularisierung beruft, Gesetze, die der Gegenaufklärung verpflichtet scheinen, warum gibt es in einem Land, das die Gleichheit vor dem Gesetz verkündet, immer noch Gesetze, die Ungleichheit festschreiben, (…) warum reicht es nicht, einmal zu sagen, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, die Würde des Menschen ist unantastbar, und dann ist sie für nichtweiße, nichtheterosexuelle, nichtchristliche, nichtmännliche Menschen irgendwie bei Bedarf doch antastbar, warum müssen wir über Jahrzehnte klären, wer alles als Mensch zählt?” (S. 229)

Zum Wohle des Kindes

Für einen kurzen Abschnitt widmet sich die Autorin auch den Regenbogenfamilien. Als im Jahr 2009 über das volle Adoptionsrecht für homosexuelle Paare debattiert wurde, meldete sich auch Volker Kauder zu Wort, den sie zitiert, um seine Argumentation anschließend ad ab­sur­dum zu führen. Es ginge bei dem vollen Adoptionsrecht für homosexuelle Paare “allein um die Selbstverwirklichung von Lesben und Schwulen und nicht um das Wohl der Kinder”, so Kauder, immerhin seit 2005 der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Das mit der Selbstverwirklichung erinnert mich stark an die Diskussion mit meinem Vater. Der steht politisch zwar weiter links als ich und es würde ihm nie in den Sinn kommen die CDU zu unterstützen, doch im Zuge unserer privaten Normal-Debatte hat er eine ähnliche Argumentationslinie eingeschlagen, ohne jedoch dabei das Wohl des Kindes miteinzubeziehen – denn als gute, fürsorgliche Eltern könne sich mein Vater meine Freundin und mich schon vorstellen. Emcke reagiert mit Unverständnis und fragt zurecht:

“Warum sollten wir keine Kinder adoptieren dürfen? Bei Herrn Kauder klingt es so, als sei Selbstverwirklichung etwas Verachtenswertes. Aus welchen Gründen bekommen denn heterosexuelle Paare Kinder? Und warum sollte das dem Wohl des Kindes widersprechen? Wer definiert das Wohl den Kindes?” (S. 229)

Am liebsten würde ich das Buch “Wie wir begehren” direkt in einen Umschlag packen und an meine Eltern und meine Freundinnen – allesamt heterosexuell – schicken, damit sie es lesen und mich und mein Leben ein bißchen besser verstehen können.

Aber jetzt bekommt es erstmal meine Freundin, die sich noch an der Alice Schwarzer Biographie abarbeitet und mich in der letzten Woche auf das Buch aufmerksam gemacht hat, weil sie es unbedingt lesen wollte, nachdem sie ein Radiointerview mit der Autorin gehört hat.

Empfehlungen

Carolin Emcke: Wie wir begehren
S. Fischer Verlag 2012
ISBN 978-3-10-017018-07

Carolin Emcke: So. Und nicht anders, 19. März 2012 auf Zeit Online

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