Bundesärztekammer diskriminiert Homosexuelle
by So, Let's Have a Baby
Diskriminierung ist für Frauen und Homosexuelle in Deutschland kein neues Phänomen. Lesben trifft sie demnach doppelt. Ärgerlich wird’s beim Kinderwunsch. Denn die Bundesärztekammer hält das klassische Familienbild hoch und sieht die Insemination bei lesbischen Frauen nicht vor.
Warum wollen Ärzte die Insemination bei Frauen, “die in keiner Partnerschaft oder in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben”, nicht durchführen? Der Grund ist so banal, dass man fast darüber lachen könnte: Lesben könnten den Arzt auf Unterhaltspflicht verklagen, denn es gibt zunächst einmal nur eine Mutter und weder einen Vater (da der Samenspender in den meisten Fällen anonym bleibt) noch eine Co-Mutter. Die Co-Mutter darf das Kind nämlich erst adoptieren, wenn es schon zur Welt gekommen ist – und selbst dann muss sie in der Regel viele Monate darauf warten, dass das zuständige Jugendamt der Stiefkindadoption zustimmt.
Es ist zwar noch nie vorgekommen, dass Lesben nach einer Insemination den Arzt verklagt haben, um sich Unterhaltszahlungen zu erschleichen, aber wer weiß schon, wozu Lesben fähig sind? So denkt zumindest die Bundesärztekammer. Die Bundesärztekammer ist eine wichtige Institution für die Ärzte, weil deren Richtlinien in den Bundesländern zu einem Recht werden, das die Ärzte befolgen müssen, sofern sie ihre Zulassung behalten wollen. Die taz hat das Thema in dem Artikel Vorsicht, Samen für Lesben vom 1. November 2011 verständlich zusammengefasst.

Selbst wenn eine lesbische Frau den Arzt verklagen würde (so abwegig ich überhaupt die Behauptung finde, eine solche würde so etwas in Betracht ziehen), muss das nicht immer noch an irgendeiner Rechtsinstanz vorbei, die entscheiden muss, ob es zulässig ist?
I call bullshit. Klingt für mich viel mehr nach einer “nicht so offensichtlich” diskriminierenden Art, zu verhindern, dass gleichgeschlechtliche Paare gemeinsam eigene Kinder (und Kinder generell) großziehen können.
Es muss heißen: “Die Bundesärztekammer diskriminiert Singles und Homosexuelle”
Kennst du “singleism”? Jetzt schon, oder?
Ja, da hast du recht. Alleinstehende werden ebenfalls benachteiligt.
Dieser Schritt ist mit der Argumentation folgerichtig. Nur weil es noch nicht vorgekommen ist heißt das nicht, dass es nicht passieren könnte. Das hat nichts damit zu tun, dass Lesben per se böse wären oder unanständig handeln würden; sondern damit, dass es immer Menschen gibt, die rechliche Lücken ausnutzen, auch wenn das moralisch fragwürdig ist. Konsequenterweise muss man die Apelle an den Gesetzgeber richten.
Übrigens ist die Rechtslage auch der Grund, warum man einen Mann in Deutschland derzeit nur davon abraten kann, überhaupt Samen zu spenden: Die aus der Spende resultierenden Kinder haben eine ganze Menge Ansprüche gegen den biologischen Vater, die durchaus rechtlich durchgesetzt werden können.
Die Bundesärztekammer ist eine wichtige Institution für die Ärzte, weil deren Richtlinien in den Bundesländern zu einem Recht werden, das die Ärzte befolgen müssen, sofern sie ihre Zulassung behalten wollen.
Ich bezweifle mal, dass die Landesärztekammern alles von der Bundesärztekammer übernehmen müssen, das ergibt sich für mich aus dem rechtlichen Status der BÄK. Siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundes%C3%A4rztekammer
und http://maennig.de/aggressiver-lobbyismus
Nicht hinter jedem offiziösen Begriff steckt eine tatsächliche Legitimation.
Das ist zwar richtig, aber trotzdem ist die Bereitschaft von Ärzten, lesbischen Frauen zu einem leiblichen Kind zu verhelfen, seit der Richtlinie von 2006, zurückgegangen.
[...] aber sie will wohl nicht. Ist in Deutschland ja für die Ärzte nicht ganz unkritisch, wegen der Richtlinien der Bundesärztekammer. Teilen: Veröffentlicht: 8. Dezember 2011 Filed Under: Lesboland Tags: Ärzte : [...]
Und wie ist das mit Ärztinnen? Die könnten ja schlecht zu Unterhaltszahlungen verklagt werden, oder?
Der LSVD hat Ende letzten Jahres zwar klargestellt, dass die Insemination bei gleichgeschlechtlichen Paaren rechtlich nicht verboten ist, aber trotzdem weigern sich viele Ärzte und Ärztinnen. Möglicherweise aus Unwissenheit, möglicherweise aber auch aus Überzeugung. Dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen ist kein alltägliches Bild und es gibt einige Menschen, die wollen, dass das auch so bleibt. Intoleranz ist in dieser Gesellschaft leider immer noch tief verwurzelt.